Hamburger Solisten-ein Ensemble auf dem Heimweg
Der ambitionierte Name macht neugierig. Kammermusikinteressierten Hamburgern ist er vielleicht schon ein Begriff, denn seit einem Jahr ist das Ensemble durch eine eigene Konzertreihe im Mozartsaal an der Moorweidenstrasse 36 auch in seiner Heimatstadt präsent. Im Ausland sind die Hamburger jedoch schon seit 10 Jahren begehrt. Regelmäßige Konzertreisen, vor allem nach Spanien, Italien, Portugal und Österreich, haben sie dort bekannt gemacht. Das 15-köpfige Streichorchester aus dem Norden wurde mit Begeisterung gefeiert. Nach einem Konzert schrieb „La Nueva Espana“ im März 2005:“Dies sind die Abende, welche uns durch die Programme und die Interpreten zu Musikliebhabern machen“. “Hamburger Solisten“ werden als „eines der besten deutschen Kammerorchester“ apostrophiert, „glänzende und leidenschaftliche Interpretation“, „lustvolles Musizieren“ und „Virtuosität“ sind die häufigsten Attribute der Rezensenten.
Das Kammerorchester „Hamburger Solisten“ wurde 1995 auf Initiative des Cellisten und Dirigenten Emil Klein mit der Intention gegründet, einen hochqualifizierten Klangkörper für besondere kammermusikalische und solistische Aufgaben zu schaffen. Souveräne Virtuosität, leidenschaftlicher musikalischer Ausdruckswille, eine ernsthafte Suche nach tief empfundener, persönlicher musikalischer Interpretation und ein Gespür für stilistische Treue zeichneten den Musiker aus. Ihm gelang es, aus dem Kreis begabter junger freischaffender Musiker in Hamburg ein Ensemble zu formen, das solistisch ambitionierte Streicher vereinte, die begierig nach kammermusikalischer Kommunikation und Erfahrung waren und in ihm schnell einen Lehrer und Verbündeten fanden. Im Juni 1995 erschien bei Arte Nova(BMG) die erste CD-Aufnahme, zugleich die erste Gesamteinspielung von J. Haydn’s Divertimenti eines Ensembles. Darauf folgten weitere 15 Aufnahmen mit Werken u. a. von Vivaldi, Händel, Brahms und Schostakowitsch.
Während der Vorbereitung einer anstehenden Spanientournee im April 2004 starb Emil Klein an den Folgen einer schweren Krankheit. Sein Orchester beschloss, die von Klein mit Hingabe geplante Konzertreise in seinem Sinne anzutreten und wagte das Experiment, ohne Dirigenten aufzutreten. Schon während der Proben spürten die Musiker, dass sie vertraute Arbeitsmethoden verlassen müssen und jeder von Ihnen einen höheren Anteil eigener Gestaltungsideen zum Ausdruck bringen muss und kann. Unweigerlich ergab sich die Auseinandersetzung darüber, ob es möglich sei, die unterschiedlichen stilistischen Vorstellungen und gestalterischen Impulse, die 15 Individuen zum Ausdruck bringen, zu einem übergeordneten Ganzen zusammenzufügen. „Das demokratische Prinzip schien mühsam, aber lohnend, vorausgesetzt, man respektiert die künstlerische Persönlichkeit des Anderen und ist bereit zur Auseinandersetzung mit dem Werk. Letzteres bleibt meist einem Dirigenten vorbehalten.“ So schildert Boris Matchin, Cellist des Ensembles diese Arbeitsphase.

Die Konzerte in Spanien waren ein Erfolg. Vom Publikum und von der Presse begeistert aufgenommen, bekamen die „Hamburger Solisten“ erneut Engagements für weitere Konzerte u. a. beim renommierten “Festival Internacional de Santander“. Somit war entschieden, das Orchester weiterzuführen, aber auch neu zu statuieren. Die Konzertprogramme lassen erkennen, dass man auf das solistische Potential setzt. Jeder Musiker sollte in der Repertoireplanung eine solistische Aufgabe übernehmen, lautet die erklärte Absicht der „Hamburger Solisten“. Die Positionen der Stimmführer werden alternierend besetzt. Die Konzerte von Vivaldi und Bach für Streichinstrumente sowie Streicherkomposition der Wiener Klassik gehören zum Standardrepertoire. Den Repertoireschwerpunkt bilden jedoch Interpretationen romantischer Komponisten wie Mahler, Tschaikowski und Glazunov darüber hinaus auch Schostakowitsch und Schönberg. Hier entfaltet sich die klangliche Intensität und spannungsreiche Expressivität eines sehr lebendigen Streicherklanges, der möglicherweise durch die unmittelbare Kommunikation zwischen den ohne Dirigenten musizierenden entsteht und eine besondere Nähe zum Publikum herstellt.
Anlässlich des ersten Todestages von Emil Klein beschlossen die Musiker, ein Gedenkkonzert in Hamburg zu initiieren. Das Publikumsinteresse an diesem Konzert hat das Orchester dazu ermutigt, die Spielstätte Mozartsaal für eine Konzertreihe in Hamburg zu gewinnen und Programmkonzepte zu entwickeln, die es stärker mit der Stadt Hamburg verbinden. Ein Beispiel ist das Projekt, jungen, hochbegabten Musikern aus Hamburg die Chance zu geben, mit einem professionellen Orchester zu arbeiten und aufzutreten. Am 27 Oktober 2005 fand das erste Konzert statt, in dessen Rahmen zwei Preisträger des Wettbewerbes „Jugend musiziert“ als Solisten neben den „Profis“ agieren durften. An der Umsetzung einer Idee, ein Wettbewerb für junge Instrumentalisten in Hamburg ins Leben zu rufen, wird zurzeit gearbeitet. Ebenfalls in Planung ist die Zusammenarbeit mit jungen Hamburger Komponisten.
Die „Hamburger Solisten“ sind in der Stadt an der Alster angekommen!
Text: Zwetelina Haubold |